Von der alten Mühle zum modernen Schul-Campus
Angefangen hatte das pädagogische und wirtschaftliche Abenteuer Steinmühle 1949 mit einer alten, verfallenen Mühle und einem wenig ansehnlichen Wirtschaftshaus aus dem vorigen Jahrhundert nebst Scheune und Stallungen auf einem 17 Morgen großen Gelände in der Lahnaue.
Am 10. Mai wurde das “Dr.Müller’s Landerziehungsheim Steinmühle” mit 50 Schülerinnen und Schülern eröffnet und am 1. Oktober hatten 20 Internatsschüler im “Stammhaus” ihr zweites Zuhause gefunden. Heute lernen und lehren bis zu 100 Internatsschüler, 150 Ganztagsschüler und 250 externe Schüler sowie 100 Mitarbeiter in über 18 Gebäudeeinheiten und Einrichtungen. Möglich wurde diese Entwicklung durch die beiden Gründer Dr. Joseph Müller (1885-1965), ehemaliger Leiter der privaten Marburger Schule am Ortenberg, und Gerhard Buurman (1904-1987), ehemaliger Leiter des “Buurmans Instituts” in Bremen.
Mit dem Erwerb der Steinmühle, deren Geschichte sich bis ins Jahr 1299 zurückverfolgen lässt, und dem Gelände in unmittelbarer Nähe der Lahn hat besonders Gerhard Buurman, der sich der Landerziehungsheimtradition (Hermann Lietz) verbunden fühlte, gute Voraussetzungen für ein Lernen “mit Kopf, Herz und Hand” geschaffen. Auch mit der Namenswahl, Landerziehungsheim oder später Landschulheim, die die Gründer für ihre Schule trafen, zeigten sie deutlich die Richtung an, in die man gehen wollte.
Das Landschulheim Steinmühle ist seit 1978 Mitgliedsschule der LEH-Internate, in der 21 Internatsschulen durch gemeinsame pädagogische Überzeugungen miteinander verbunden sind. Unabhängig davon sind sie
- Schulen in freier Trägerschaft, deren Besuch Jungen und Mädchen aller Religionen und Nationalitätem offen steht;
- Schulen, deren Zeugnisse und Abschlüsse bundeseweit staatlich anerkannt sind;
- Schulen der Reformpädagogik: sie liegen auf dem LAND, stellen ERZIEHUNG in den Mittelpunkt und bieten Kindern und Jugendlichen ein HEIM, einen Ort also, an dem sie heimisch werden können.
Zwei Meilensteine, die die Existenz der Schule sicherten:
Die Schule erhielt 1955 den Status der staatlichen Anerkennung im Sinne der Gleichwertigkeit öffentlicher Schulen.
Das hessische Privatschulfinanzierungsgesetz ließ 1962 die Gründung eines gemeinnützigen Schulvereins als Träger des Landschulheims Steinmühle als sinnvoll erscheinen.
Während der vergangenen 50 Jahre hat sich die Steinmühle unvermindert die Aufgabe gestellt, die ihre Gründer zum Prinzip erhoben: “den jungen Menschen in bedrängter Lage zu helfen” . Aus-schlaggebend war und ist, dass frei von konfessioneller, politischer und nationaler Bindung - Kinder aus verschiedenem Milieu aufgenommen werden. Auch solche, die unüberwindlich scheinende Schwierigkeiten in ihrem Leben zu verkraften hatten oder gar gescheitert waren, sollten Hilfe, Nachsicht und Stütze - eine Schul-Heimat finden. Heimschule als “Lebensmodell” und “Erlebnisraum”, wo der heranwachsende Mensch jederzeit Gelegenheit hat, “sich aus freien Stücken auf irgendeinem Gebiet zu betätigen, um sich so zu bestätigen” - so Gerhard Buurman.
Gerhard Buurman hatte sich jedoch teilweise von den Lietzschen Ideen gelöst, indem er seine Heimschule nicht als eine in sich geschlossene Erziehungswelt verstand, sondern ganz bewußt eine stadtnahe Schule wollte, die auch Externen zugänglich ist. Er wollte damit nicht nur einer gewissen Isolation der Internatsschüler entgegenwirken, sondern ebenso die Möglichkeit des Austauschs unterschiedlicher, sich gegenseitig ergänzender und befruchtender Lebens- und Erfahrungsbereiche nutzen und ihnen dadurch das “Tor zur Welt” offenhalten.
Die Einbeziehung der externen Schüler wird am augenfälligsten in der Ganztagsschule, die im Jahr 1978 für die Unterstufe eingerichtet wurde. Eine Ganztagsschule, die dazu verhilft, das Miteinander von Heim- und Stadtschülern, von Stamm- und Quereinsteigern zu intensivieren: Ein gemeinsamer Lebensraum mit Hausaufgabenintegration, Rhythmisierung des Schullebens, Differenzierung des Unterrichts, sinnvoller Gestaltung der Freizeit, gesicherten Gruppenbeziehungen.
Auch wenn sich in Fortführung dieser Ideen die Zahl der externen Schüler im Laufe der Jahre stark vergrößert hat, ist doch das Internat das Herzstück der Steinmühle geblieben; denn von dorther strahlen der familiäre Charakter, die anheimelnde Atmosphäre und das Konzept der ganzheitlichen Erziehung aus, die “Lernen mit Kopf, Herz und Hand” als Grundstein allen pädagogischen Bemühens begreift. Bei aller Eigenständigkeit weiß sich die Steinmühle also den Zielsetzungen der Deutschen Landerziehungsheime verbunden und ist seit 1978 Mitglied ihrer Vereinigung.
Der Beginn
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- Zur Mühle gehörten ursprünglich zwei Mühlräder, die wegen ihrer Baufälligkeit in den 70iger Jahren gegen ein neues Mühlrad ausgetauscht wurden. Dieses wurde von Schlosser Badouin aus Großseelheim hergestellt.

- 1953 wird die Mühle innen ausgebaut, d.h. es werden zwei Etagen errichtet und in die zwei Meter dicken Wände Fenster eingebaut sowie Gauben in das denkmalgeschützte Dach eingebracht.

- Die externen Schüler aus Marburg und Umgebung werden mit Bussen der Stadtwerke Marburg bis direkt vor das Schulhaus gebracht.

- Zwischen der Steinmühle und Gisselberg gab es bis Mitte der 70iger Jahre eine Furt durch die Lahn für die landwirtschaftlichen Fuhrwerke. Die Furt wurde brüchig, wurde gefährlich und hielt letztlich einem militärischen Manöver nicht mehr stand. Durch den Ausbau der B3a erhielten die Gisselberger Landwirte eine Unterführung oberhalb des Bootshauses und die Furt wurde weggebaggert.

- Die Furt erfreute nicht nur die Landwirte sondern auch die Reiter, die dort oft unfreiwillig baden gingen - manchmal auch die Autofahrer.


















